Nicht auf den ersten Blick erkennbar aber doch in zahlreichen Kleingartenanlagen oder Wohnsiedlungen in ganz Deutschland aufzufinden: Kleine Gebäude mit ca. 30 qm Grundfläche und zwei Räumen aus dem zweiten Weltkrieg. Zu Kriegszeiten wurden sie als “Behelfsheime” für ausgebombte Bewohner*innen deutscher Gemeinden erbaut. Heutzutage werden sie als Gartenlaube verwendet oder wurden im Laufe der Zeit zu größeren Häusern ausgebaut. Sie unterscheiden sich in ihrer Form und Ausführung und zeugen auf diese Weise von verschiedenen Epochen deutscher Geschichte.

Mit dem Erlass Adolf Hitlers vom 09.09.1943 über die Errichtung des Deutschen Wohnungshilfswerks (DWH), wurde das DWH mit der Unterkunftsbeschaffung für Luftkriegsbetroffene beauftragt [1]. Zwischen 1943 und 1945 koordinierte das DWH, unter Führung des Reichswohnungskommissars Robert Ley, den Bau der Behelfsheime [2]. Das NS-Regime stellte die Errichtung der Notunterkünfte als Selbstbaumaßnahme dar, die die zukünftigen Bewohner*innen mithilfe einer sogenannten ”Behelfsheimsfibel” durchführen sollten. Entgegen der offiziellen, idealisierten Darstellung wurden viele Behelfsheime durch Unternehmen und unter Einsatz von KZ-Häftlings- oder Zwangsarbeiter*innen errichtet [3].

Behelfsheime sind in der Architekturgeschichte des NS-Regimes ein wenig beachtetes Thema obwohl sie Informationen über Gesellschaft, Wirtschaft und Staatsapparat im Kriegsalltag bereitstellen. Wie wurde unter einer Mangelwirtschaft Wohnraum für Millionen Menschen produziert? Welche Spezifika hat dieser Wohnraum und was für ein Leben ermöglicht er? Wie wurden Behelfsheime bei und nach ihrer Errichtung wahrgenommen? Letztendlich stellt sich bei der Betrachtung dieser Themen die Frage, wie man mit Behelfsheimen als “unbequemes” Erbe umgeht und welche Form von Erinnerungskultur dabei angebracht ist.

Die drei untersuchten Siedlungen in Berlin

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Siedlung Hermsdorf

1944 auf einem ehemaligen Sportplatz erbaut und aus insgesamt 56 Gebäuden bestehende Siedlung.

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Siedlung Karlshorst

Die 1943 erbaute Behelfsheimsiedlung ist mittlerweile eine Kleingarten-siedlung mit dem Namen Florafreunde.

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Siedlung Müggelheim

Siedlung wurde 1944 unter Einsatz von Häftlingen aus dem KZ Sachsenhausen erbaut.

Die Website stellt die Ergebnisse einer breit angelegten Recherche zum Thema Behelfsheime dar. Die Untersuchung fokussiert sich auf Berlin und insbesondere drei Siedlungen in den Ortsteilen Hermsdorf, Karlshorst und Müggelheim. Sie steht nichtsdestotrotz für ein gesamtdeutsches Phänomen und erläutert  Typologie und Bauweise einzelner Behelfsheime, der dazugehörigen Siedlungen, sowie die Einbindung in ihr Umfeld. Darüber hinaus wird beleuchtet, wer für wen die Siedlungen baute und wie sie sich im Laufe der Zeit veränderten.

Erbaut

Verortung der drei Behelfsheimsiedlungen 

Schöne Siedlung in Karlshorst

Entstehungsprozess und Beteiligte

​Die Website ist das Ergebnis des Master-Studienprojektes “Auf Dauer provisorisch. Behelfsheimsiedlungen in Berlin.” aus dem Wintersemester 2021/2022. Das Projekt betreute Prof. Dr. Stephanie Herold vom Fachgebiet “Städtebauliche Denkmalpflege und urbanes Kulturerbe” des Institutes für Stadt- und Regionalplanung der TU Berlin.

Die Studierenden näherten sich der Thematik über eine Literaturrecherche an. Im ersten Arbeitsschritt erarbeitete sich die Gruppe ihr Forschungsinteresse und verschiedene Forschungsfragen. Anschließend wurden die drei Siedlungen durch Archivrecherche und vor-Ort-Untersuchungen erforscht. Die untersuchten Dokumente wurden in einem dritten Arbeitsschritt durch ergänzende Literatur-, Archivrecherche, sowie Interviews mit Bewohner*innen und Expert*innen erweitert, um einen breiteren Blick auf die Thematik zu eröffnen.

Folgende Studierende waren Bestandteil des Projektes:

  • Nina Buse 

  • Paula Cibis 

  • Celian Cierzynski

  • Leonie Dittrich

  • Eric Eigenbrod

  • Nicolas Geffroy

  • Heike Hübinger

  • Günes Knauer

  • Laura Lang

  • Philip Lehmann

  • Selina Prischtscheptschuk

  • Elena Rhode

  • Fabian Schmerbeck

  • Merle Siegrist

  • Mandy Topp

  • Victoria Walk

  • Sarah Zaborowski

Mit Abschluss des Projektes im März 2022 wurde diese Website erstellt. Sie wird seitdem nicht mehr betreut oder aktualisiert.

Quellen

[1] Reichsgesetzblatt (1943): Teil I, Erlaß des Führers über die Errichtung des Deutschen Wohnungshilfswerkes. 

[2] ebd. 

[3] Rodenberg, M. (2020): Gelebte Räume. Behelfsheime für Ausgebombte in Franken, Band 90, Bad Windsheim: Verlag Fränkisches Freilandmuseum in Bad Windsheim.

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